Wie ich dazu kam...
Ich durfte früh in meinem Leben selbst eine gute Erfahrung machen mit Therapie: Bei Oberärztin Dr. Agathe Israel, die den Mut hatte, auf ihrer Station in Ostberlin auf Medikamente weitgehend zu verzichten.
Dort hab ich erlebt wie es ist, wenn ich ernst genommen werde. Begann mir selbst zu vertrauen: meinen Gefühlen, Impulsen... den Wahrheiten meines Körpers. Die Veränderungen die das zuwege brachte, haben mich tief beeindruckt. So entstand der Wunsch, Therapie zu meinem Beruf zu machen.
Mein Weg
Nach der Wende bin ich aus Dresden weggegangen, weil ich mich so geschämt hab, homosexuell zu sein! Wollte nicht mit Lügen leben, aber dazu zu stehen gegenüber Nachbarn und Freunden hab ich mir nicht getraut. Urteile in meinem Kopf: pervers, eklig, krank...
Hatte wieder mal Glück: die Mauer war offen und ich konnte in den Niederlanden studieren. Dort bin ich mit mir selbst ins Reine gekommen, in einer Umgebung, wo eine Partnerschaft zwischen zwei Männern oder zwei Frauen bereits normal war.
Trete dafür ein, daß alle Menschen so leben können wie es ihrer Natur entspricht, ohne sich schämen zu müssen! Denn ich glaube: wenn wir zufrieden sind, sind wir am besten. 🙂
Ein Jahr in Rumänien, danach versucht in Berlin Fuß zu fassen. Kurierdienst, Fließband, Servicebereich... Schließlich hat mich eine andere tapfere Oberärztin, in der KJP der Uniklinik Jena, als Spieltherapeutin eingestellt.
Hab bald gemerkt: Mit den Kindern allein komme ich nicht weit. Konnte eine Weiterbildung zur Systemischen Familientherapeutin absolvieren, am ifs in Essen, die mir auch persönlich viel gegeben hat.
Paar Jahre in Karlsruhe unterwegs in einem guten Team mit aufsuchender und "Mehrfamilientherapie". Das hieß, die von einem Problem (z.B. Wohnungslosigkeit) betroffenen Familien haben sich gegenseitig beraten, und wir Therapeutinnen saßen sozusagen "auf dem Rücksitz". Ich war beeindruckt von der Aufrichtigkeit und dem sinnvollen Wissen, das dabei weitergegeben wurde.
Durch eine intensive Freundschaft (über 2 Jahrzehnte) bin ich unfreiwillig zur Expertin geworden für rassistische Bilder und falsche Infos zur Geschichte, die in unserem Denken bis heute überwintern.
Lebe in der Lenzerwische, wo ich mich zu Hause fühle (Elbe, Osten...) und entdecke gerade meine slawischen Wurzeln 🙂. Gegenüber das Wendland, das mir über die vergangenen 10 Jahre ans Herz gewachsen ist. Hier an der Elbe hab ich begriffen, wie gewaltvoll Einkommens-Unterschiede wirken und daß Ordnung in vieler Hinsicht in diesem ökonomischen System fehlt!
Meine Haltung und Lieblings-Methoden
Nur was wir annehmen, kann sich wandeln. Ein Grundgesetz der Seele. 🙂
Lösungsorientiert heißt: Ich bin sicher, du weißt in deinem Leben besser Bescheid als ich. Darum geb ich keine Ratschläge. Ich versuche sozusagen nur den Zugang wieder frei zu machen, zu deiner Fähigkeit selbst die passende Lösung zu finden.
EMDR ist mein liebstes Werkzeug geworden - besonders für den Umgang mit Traumata.
Von der systemischen Therapie hab ich gelernt, das GANZE mit zu betrachten. Das wo wir herkommen, das Drumrum.
Und Bioenergetik nach Wilhelm Reich hört auf die Wahrheit des Körpers. Eine Anspannung kann zum Beispiel ein unterdrückter Impuls sein, uns zu wehren oder zu fliehen. Wenn wir ihm nachgeben, sich die Spannung entladen lassen, entdecken wir manchmal ganze Geschichten!
Was Gewaltfreie Kommunikation mir bringt...
Diese Art der Verständigung befreit mich vom sinnlos Streiten, von Ärger und von Selbst-Unterdrückung.
Ich kann meine Wut spüren und vollständig ausdrücken - ohne jemandem die Schuld zu geben. Kann mir selbst und anderen verzeihen - ohne was unter den Teppich zu kehren!
Verstehe leichter, was andere brauchen - selbst wenn es sich hinter Vorwürfen oder Rückzug verbirgt.
Wenn es mir gelingt, auf ALLE meine Bedürfnisse zu achten, findet sich wie von selbst eine Lösung mit der ich wirklich zufrieden bin.
Fühle mich "echter" und verbundener. Bin tief dankbar darüber. Glücklich, wenn ich etwas von diesem Reichtum weitergeben darf!